Einsatzleitfahrzeug der FW Düsseldorf

 

Fahrzeugtyp ELW 10 Olympia-ELW
Baujahr 2003
Zulassung D-10100
Funkruf Florian 10-112-01
Fahrgestell Zugmaschine MB Actros 3358 AF
Aus-/Aufbau Flesch AG
Standort Feuer- und Rettungswache 10

Düsseldorf, 01.04.03 

Pre-Erlkönig ELW 10 oder der "Olympia-ELW"

Handmuster für Baubeschreibung aufgetaucht 

Im Rahmen der Pressebegehungen zum Richtfest der neuen Leitstelle wurde leider das Handmuster für den mobilen Einsatzleitungs-Zug der Fw Düsseldorf enttarnt. Um unnötigen Gerüchten vorzubeugen wird daher das Handmuster beschrieben. 

1.      Konzeptbeschreibung 

Mit dem völligen Neukonzept soll Raum und Technik für eine abgesetzte Einsatzleitung angeboten werden können. Diese Einsatzleitung nach der FwDV 100 inkl. zusätzlicher Stabsfunktionen soll über mehrere Tage autark funktionieren können. Außerdem soll es als taktisches Führungszentrum für Großveranstaltungen (z.B. Olympia 2012) genutzt werden können.

Das Fahrzeug soll in der Lage sein, die im Neubau befindliche Leitstelle bei einem Ausfall komplett ersetzen zu können. Dazu werden zahlreiche neue technische Wege beschritten, die nicht immer einfach waren, aber sicherlich mit intensiven Folgearbeiten alle lösbar sein sollten. In einigen Fällen ist noch aufwändige Entwicklungsarbeit zu leisten. Leider steht für die geplante Technik noch nicht ausreichend ausgebildetes Führungs- bzw. Stabshilfspersonal und Funker zur Verfügung. Es wird Aufgabe der nächsten Jahre sein, hier für entsprechende Schulungsmaßnahmen und Personalwerbung zu sorgen.

Da das Fahrzeug aufgrund seiner Dimensionen sowohl jede ELW-Norm (DIN 14507 geht nur bis ELW 2) als auch jeden Stellplatz einer normalen Feuerwache sprengt, wurde entschieden, es nach Fertigstellung an der Feuerwache 10 in einer ehemaligen Industriehalle abzustellen. Es bietet sich an, die Bezeichnung in Analogie zu ähnlichen Fahrzeugen dann nach der Wache und hier auch nach der Größe (10 ADV-Arbeitsplätze) zu wählen.

 2.      Technik

 Von Anfang an war klar, daß die Planungen nicht mit Serienfahrzeugen erfüllt werden können. Eine völlige Neukonstruktion mußte erfolgen.

Als Ideengeber muß hier insbesondere lobend der Chefkonstrukteur der Flesch AG, Düsseldorf-Garath, genannt werden. Eine kleine aber feine Kellerfirma, die für zahlreiche Sonderkonstruktionen, Umbauten und Verfeinerungen an Sonderfahrzeugen seit langem in Fachkreisen bekannt ist.

 Die Beklebung in RAL 3026 (ähnlich leuchtrot) inkl. der Umrißkennzeichnung ist an dem Modell nur ein Muster. Es wird noch von einer namhaften Kunsthochschule an einem eigenen Designvorschlag gearbeitet. (Diskutiert werden derzeit als Symbol für die Funkverbindungen reflektierende gelbe Blitze vor stilisierten reflektierenden Antennenmasten mit integriertem Corporate Design der Stadt Düsseldorf.)

 Die Sondersignalanlage bietet alles was derzeit auf dem Markt erhältlich ist. Die Kombination von elektronischer und Kompressor-Warnanlage inkl. Möglichkeit zur funkgesteuerten Ampelsteuerung (aus dem Bereich des ÖPNV) sollte trotz dicht befahrener innerstädtischer Straßen in Verbindung mit der für ein solches Fahrzeug relativ hoch bemessenen Motorleistung und der Auflieger-Allrad-Lenkung für ein rasches Vorankommen sorgen. Dafür sorgen nicht zuletzt die an allen relevanten Stellen verbauten blauen Kennleuchten, die wechselnd in Drehspiegel- bzw. Blitzlichttechnik ausgeführt sind.

 2.1 Zugmaschine

 Zugmaschine MB Actros 3358 AF, mittellanges Führerhaus, Vollautomatik, alle Sperren, Klimaanlage, 1000 l Dieseltank bietet die nötige Reichweite und Fahrkomfort auch abseits befestigter Straßen.

 Abb. 1: Zugmaschine (Foto: Bildstelle der Feuerwehr Düsseldorf mit freundlicher Genehmigung der Flesch AG)

 Beim Ausfall der feuerwehreigenen Zugmaschine besteht die Absicht, aus den Hafenbetrieben eine Behelfszugmaschine einzusetzen. Diese basiert auf einem Unimog U 1300 und verfügt ebenfalls über Allradantrieb sowie zusätzlich ein absenkbares Schienenfahrgestell. (Anmerkung: Derzeit wird überlegt, den Auflieger auch auf Schienen fahrfähig zu machen. Damit wären auch über die Strecken der DB AG eine schnelle Verlegung möglich. Außerdem könnte man in längeren Eisenbahn-Tunnelanlagen auch eine Vorortführung anbieten. Problematisch erscheint hier noch die Frage der Frischluftversorgung. Hier muß noch zwischen einem automatisierten Druckluftschlauchsystem, Regenerationsgeräten aus dem U-Bootbereich oder "normalen" Pressluftflaschen entschieden werden.)

 2.2 Auflieger

 Als Auflieger ist ein abgelasteter Schwerlast-Tieflader vorgesehen. Seine 5 Achsen sind alle zwangsgelenkt, zusätzlich manuell steuerbar (Fernbedienung), luftgefedert und durch Einzelradaufhängung inkl. hydraulischer Unterstützungszylinder zum Ausgleich von Bodenunebenheiten bis 33,5 cm fähig.

 Der Rahmen des Aufliegers besteht aus verschweißten Rohren. Damit wird nicht nur ein höherer Partnerschutz erreicht (vgl. neueste Dekrauntersuchungen), sondern es werden darin auch parallel alle Verbrauchsleitungen (Wasser, Strom, ADV, Kommunikation) geführt.

 Am gesamten Aufbau wurde eine integrierte Umfeldbeleuchtung in neuester LED-Technik vorgesehen. Sie ist leistungsstark und nahezu blendfrei, außerdem verbraucht sie so gut wie keinen Strom.

Beidseitig unter dem durchgehenden Fahrzeugboden (doppelbödig auch für jederzeitige Änderungen an der aufwendigen Verkabelung in Lichtwellenleiter-Technik) befinden sich Staukästen für Kabel und Werkzeuge sowie mehrere ausziehbare Treppen und Verbindungsstege.

Es ist eine leistungsfähige Klimaanlage integriert.

Das gesamte Dach ist begehbar. In die begehbaren Flächen wurde eine Wärmetauscheranlage zur umweltfreundlichen Erwärmung von Brauchwasser eingebaut. Das Dach bietet Servicezugänge zu den abklappbaren oder einfahrbaren Dachantennen

-         mehrere Funkverkehrskreise BOS (70 cm, 2 m, 4 m, 8 m)

-         Windmesser

-         Richtstrahler

-         GPS (zur Fahrzeugsteuerung bei Leitstellenausfall).

sowie zum Antennenwald auf dem hydraulischen Haupt-Antennenmast.

Der gesamte Aufbau ist an die integrierte Löschanlage angeschlossen. Unter dem Dach ist ein durchgehender, im Winter beheizbarer, Brauchwassertank mit ca. 5 qbm Inhalt vorgesehen. Damit ist nicht nur ein längerer autarker Einsatz möglich, über unter dem Aufbau liegende A-Saugstutzen kann das Wasser auch für Löschzwecke entnommen werden.

Abb. 2: Auflieger

Nachfolgend wird der Aufbau von vorn nach hinten beschrieben:

Ferngesteuerter schallgedämmter Stromerzeuger 75 kVA mit eigenem 100 kW Diesel-Motor mit zusätzlichen 32 A-Dosen zur externen Einspeisung unter Plane gelagert. Ebenfalls dort befindet sich ein weiterer 1000 l Kraftstofftank. Eine Überleitung in den Tank der Zugmaschine - und umgekehrt - ist über eingebaute Pumpen möglich. Ebenfalls dort befindet sich eine elektrisch betriebene FP 24/8 inkl. 50 bar Hochdruckteil. Die Löschwasserleitungen verlaufen im Aufleger-Rohrrahmen. Damit können nicht nur alle Brauchwasserverbrauchsstellen im Auflieger versorgt und der eingebaute Brauchwassertank wieder befüllt werden, sondern es ist in Verbindung mit den Bodensprühdüsen am Auflieger ein Eigenschutz z.B. bei durchbrechenden Flächenbränden möglich.

Über die automatischen Rollplanen des Verdecks wird ausreichend Zuluft (Verbrennungsmotor und Kühlung) zugeführt.

Diese Beladung ist bewußt auf dem Drehschemel der Aufliegerplatte zur Erhöhung der Achsbelastung/Traktion an der Hinterachse des Zugfahrzeugs vorgesehen.

Abb. 3: Stromerzeuger und FP 24/8 inkl. Tank

Im vorderen Geräteraum G 1 und G 2 befinden sich mehrere Schnellangriffskabeltrommeln zum Anschluß von

-         Lichtstativen

-         externe Antennen

-         Telefonnetzverbindungen

-         Feldkabelbau

-         CO2-Löschanlage (Behälter und Steuerung) (angeschlossen an Löschdüsen in Aufbau und Stromerzeuger)

-         Löschwassereinspeisung nach VdS-Richtlinie, falls in einem Brandfall die eingebaute Löschanlage ausfallen sollte.

In den Gerätenräumen G 1 und G 2 wird je eine 90 m HD-Schnellangriffseinrichtungen DN 17, hydraulisch aufwickelbar, installiert. Damit ist nicht nur die Stiefelreinigung etc. vor dem Betreten des Reintraktes (ADV-Bereich) möglich, sondern auch der Betrieb der Bodensprühdüsen inkl. einer aggressiven Vorne-Verteidigung in vorgeschobener Stellung.

Am Geräteraum ist ein elektronisch gesteuerter Lichtmast angeflanscht.

Am Aufbau ist ein 20 m Antennenmast vorgesehen. Er ist hydraulisch ausfahrbar und elektronisch gesteuert voll dreh- und richtbar. Dort befinden sich die Richtfunkantennen und Aufbaumöglichkeiten für die unter dem Aufbau mitgeführte Satellitenschüssel zur Medieneinspeisung. Entsprechende nachrichtentechnische Meßgeräte werden mitgeführt.

Es schließt sich der eigentliche ELW-Aufbau an. Alle Fensterflächen wurden im Zuge der stadtinternen Initiative zur Schaffung freundlicher Arbeitsplätze zur Begrünung vorgesehen. Die Pflanzen werden über die ohnehin vorhandene Steigleitung automatisch aus dem Brauchwassertank vom Dach aus bewässert.

Bereich 1 -Aufenthalts-/Sanitärbereich: 2 WC (Damen/Herren), 2 Duschen (Damen/Herren), Klappliegen (Damen und Herren)

Bereich 2 -Funkbereich: 10 vollwertige, aber verkleinerte ADV-Tische mit Verbindung zum Einsatzleitrechner mit je 3 Flachbildschirmen und 2 Arbeitsplatzrechnern angesteuert über einen unter dem Rahmen liegenden Intranet-Server.

Bereich 3 - Führungsbereich: 10 Ledersessel, elektronische Lageführungs- und Darstellungsmittel ähnlich einem Divisionsgefechtsstand. Je Sitzplatz ein Laptop für voll elektronische Lageführung. Zur Versorgung wird ein leistungsfähiger Kühlschrank und eine vollautomatische Kaffeemaschine eingebaut.

3.      Führungsverband

Zum überörtlichen Einsatz ist die Bildung eines Führungsverbandes vorgesehen. Mit diesem werden notwendige Mannschaften und ergänzende Geräte mitgeführt. Dieser Führungsverband befindet sich derzeit noch im Planungszustand und soll künftig bestehen aus:

-         1 voll geländegängiges Führungsfahrzeug mit hoher Fahrstabilität (z.B. Hummer Stabswagen). Übergangsweise ist die Nutzung eines VW-Kübelwagen vorgesehen.

-         1 Kabelleger gl, geländegängiger Unimog oder Ural mit Grabenbaumaschine und vollautomatischem Kabelleger

-         1 Allrad M-Bus (mind. 30 Plätze), übergangsweise kann der G-KTW genutzt werden.

-         1 Werkstattfahrzeug Fahrzeuge/Geräte zur Wartung der aufwendigen Fahrzeugtechnik des Verbandes.

-         1 Werkstattfahrzeug Nachrichtentechnik/Software zur Wartung der aufwendigen ADV des Verbandes.

-         1 Versorgungsfahrzeug mit Schnelleinsatzzelt für 50 Mann und Küchenanhänger.

-         4 Meldekräder und 2 Melde-Quads

4.      Ausblick

Stillstand ist Rückschritt - und mit Ledereimern macht heute auch keiner mehr Feuer aus... - oder? Grenzen werden gesprengt, Normen überschritten und Techniken ausgereizt.

Es bleibt zu hoffen, daß die potenziellen Nutzer auch wissen was sie (damit) können.

Zum Ausbau des Konzeptes - insbesondere für den abgesetzten Einsatz in anderen Gebieten - werden noch Führungs- und Hilfswillige gesucht. Melden Sie sich bitte bei der Rekrutierungsstelle für Fremdeinsätze im Bundeskatastrophenschutzaufsichtsamt. Geben Sie bitte das Aktenzeichen F.LESCH1:87 an.

Cimolino

Verteiler:

-         Engels, ÖA 37

-         Feuermelder Düsseldorf

-         Feuerwehrmann NRW

-         Überregional

(Bei Bedarf/Interesse können andere Fotos gestellt werden.)

 

Abb.1_Dcp_1851.jpg (54583 Byte) Erste Entwürfe Abb.2_Dcp_1850.jpg (62712 Byte) im Modell Abb.3_Dcp_1856.jpg (40841 Byte)
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Die Endphase noch ohne

 Wappen

und  Schriftzüge
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Zugmaschine mit Wappen von hinten Sattelauflieger fertig beklebt und beschriftet von vorne

Gut zu er- 

kennen:

Stromerzeuger und FP 24/8 incl. Tank

Alle Fotos: Bildstelle der Feuerwehr Düsseldorf

Fahrzeugbeschreibung: Ulrich Cimolino

 

letzte Änderung am: 01.04.2003